Selbstgemacht heißt für mich nicht alles selbst

Wenn man anfängt, Dinge selbst zu machen, passiert schnell etwas Seltsames.

Selbstgemacht heißt für mich nicht alles selbst

Ich backe mein Brot selbst.

Aber ich kaufe Pasta.

Ich mache meinen Allzweckreiniger selbst.

Aber meine Zahnpasta nicht.

Ich stelle meinen Lippenbalsam selbst her.

Aber ich kaufe Shampoo.

Und ich fühle mich dabei kein bisschen schlecht.

Selbermachen ist keine Ideologie

Ich habe eine Weile gebraucht um das wirklich zu verinnerlichen.

Denn wenn man anfängt, Dinge selbst zu machen — Kräutersalz, Reinigungsmittel, kleine Kosmetikprodukte — dann kommt irgendwann dieser Gedanke: Müsste ich jetzt eigentlich alles selbst machen? Bin ich nicht konsequent genug wenn ich trotzdem noch kaufe?

Kurze Antwort: Nein.

Selbermachen ist für mich kein Dogma. Es ist eine Haltung. Eine Frage die ich mir stelle — nicht eine Pflicht die ich erfülle.

Die Frage lautet: Macht es mein Leben einfacher, ruhiger, bewusster wenn ich das selbst mache?

Wenn ja — ich mach's.

Wenn nein — ich kauf's. Ohne Schuldgefühle. Ohne Rechtfertigung.

Wie ich entscheide was ich selbst mache

Es gibt keine starre Regel. Aber es gibt ein paar Fragen die mir helfen.

Macht es Freude? Kräutersalz mischen macht mir ehrlich Spaß. Ich mag den Geruch der frischen Kräuter, das Mahlen im Mörser, das kleine Glas das am Ende auf meiner Fensterbank steht. Das gibt mir etwas zurück. Shampoo selbst herzustellen dagegen — zu viel Aufwand, zu viele Variablen, zu wenig Freude.

Weiß ich was drin ist? Besonders bei Körperpflegeprodukten ist das für mich wichtig. Mein selbstgemachter Lippenbalsam besteht aus drei Zutaten die ich kenne und vertraue. Das fühlt sich gut an. Bei Pasta reicht mir die Zutatenliste auf der Packung.

Spart es Verpackung und Geld? Selbstgemachte Reiniger in Einmachgläsern— ja. Selbstgemachtes Toilettenpapier — absolut nein.

Passt es in meinen Alltag? Ich habe nicht unbegrenzt Zeit. Ich mache Dinge selbst wenn sie sich in meinen Alltag einpassen — nicht wenn sie ihn komplizierter machen.

Was ich wirklich selbst mache — und was nicht

Damit das keine abstrakte Theorie bleibt: hier ist es konkret.

Ja, selbst gemacht:

Kräutersalz — ein Glas, ein paar Kräuter, zehn Minuten. Das Rezept ist so einfach dass es sich jedes Mal lohnt.

Lippenbalsam — drei Zutaten, fünfzehn Minuten, Bienenwachs, Kokosöl, Sheabutter. Fertig.

Allzweckreiniger — Wasser, Essig, ein paar Tropfen ätherisches Öl. Billiger, besser, weniger Plastik.

Vorräte einkochen — wenn die Saison es hergibt.

Reparieren statt wegwerfen — Knöpfe annähen, kleine Löcher stopfen, Dinge pflegen.

Nein, kaufe ich:

Pasta, Mehl, Hefe — die kaufe ich gut und nutze sie für selbstgemachtes Brot.

Shampoo, Körpercreme, Sonnenschutz — zu viel Chemie die ich nicht beherrsche.

Werkzeug, Elektronik — kein Interesse und keine Kompetenz.

Die meisten Lebensmittel — ich koche viel selbst, aber ich kaufe die Zutaten dafür.

Warum das leise Leben und Selbermachen zusammengehören

Wenn ich in der Küche stehe und meinen Mörser aus Granit in der Hand halte, frische Kräuter mahle und der Geruch sich im Raum verteilt — dann bin ich da. Nicht beim Scrollen. Nicht beim Planen. Nicht beim Funktionieren.

Selbermachen ist für mich eine Form von Achtsamkeit die sich nicht wie Achtsamkeit anfühlt. Ich mache nichts Besonderes. Ich bin einfach dabei.

Das ist es was mich dazu bringt, bestimmte Dinge selbst zu machen — nicht Perfektion, nicht Sparsamkeit, nicht Nachhaltigkeit als Selbstzweck. Sondern das Gefühl von: Ich war dabei. Ich habe das gemacht. Es ist meins.

Mehr dazu habe ich auch im Artikel Warum ich Dinge lieber selbst mache — und nicht perfekt aufgeschrieben.

Weniger Selbermachen kann mehr Bewusstsein bedeuten

Hier ist der Gedanke der mich am meisten verändert hat:

Wer versucht alles selbst zu machen, wird erschöpft. Und wer erschöpft ist macht gar nichts mehr mit Freude.

Ich mache lieber fünf Dinge wirklich gerne selbst — als zwanzig Dinge die sich wie Arbeit anfühlen.

Und ich kaufe den Rest bewusst. Mit Blick auf die Zutaten. Mit Gefühl für die Verpackung. Mit Respekt für das was ich brauche und was nicht.

Das ist für mich ein leises Leben — nicht weniger kaufen um des Prinzips willen. Sondern bewusst entscheiden was zu mir passt.

Was ich dir mitgeben möchte

Du musst nicht alles selbst machen.

Du musst dir nur ehrlich die Frage stellen: Was macht mein Leben leichter, ruhiger, echter — wenn ich es selbst mache?

Fang mit dem Kleinsten an. Ein Glas Kräutersalz. Ein selbstgemachter Lippenbalsam. Eine Sache die du mit deinen Händen machst und die sich dann gut anfühlt.

Den Rest lass los. Ohne schlechtes Gewissen.

Und wenn du wissen möchtest was ich konkret für die Grundausstattung in der Küche empfehle — das habe ich hier aufgeschrieben: Eine einfache Grundausstattung für selbstgemachte Küche & Vorrat.

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Warum ich Dinge lieber selbst mache - und nicht perfekt

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5 Dinge, die ich im Haushalt nicht mehr kaufe (und was ich stattdessen nutze)